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Tuesday Post 29 Oktober 2019

von | Okt 29, 2019

Alle reden übers Klima. Und alle wissen genau, was daran schuld ist. Und vor allem wer. Es sind die SUV-Fahrer, rufen die einen aufgeregt, nein, die Vielflieger, glauben andere. Und dann wären da noch die Täglichfleischesser, die Platiktütenbenutzer, die Ölheizer oder die Kreuzfahrttouristen.

Die Fingerzeigkultur ist en vogue. Und das ist ja ganz praktisch, denn dann muss man ja nicht vor dem eigenen Haus kehren. Mittlerweile gibt es Menschen, die verschweigen ihren Hawaii-Urlaub, weil sie nicht geächtet werden wollen. Neueste Statistiken, Leitartikel und Studien werden auf Partys, Spielplätzen oder Firmenevents dieses Landes bemüht, um den anderen klar zu machen, wie die eigentliche Wahrheit über die Klimakatastrophe lautet. Es geht schon längst nicht mehr um einen gemeinsamen Weg. Dabei lässt sich der nur finden, wenn wir uns erst einmal über eine Haltung einig werden.

Wie will ich mit jemanden über die verheerenden Folgen der Erderwärmung für die ärmsten Regionen der Welt reden, wenn er oder sie sagt, „ist mir doch egal“? Wie will ich erklären, dass wir uns an Ressourcen bedienen, die endlich sind, wenn sich der Gesprächspartner nicht dafür interessiert, wie zukünftige Generationen leben werden? Wie mache ich deutlich, dass diejenigen, die für die Klimakatastrophe verantwortlich sind, auch dafür den Preis zahlen müssen, wenn kein Sinn für verantwortliches Handeln da ist, weil das den bisherigen Lebenswandel infrage stellen würde?

Ich glaube, dass wir uns als Gesellschaft über gewisse prinzipielle moralische Grundsätze einig werden müssen. Die klingen in der Welt des Turbokapitalismus vielleicht anachronistisch. Die Frage ist: Sind wir tatsächlich bereit, unseren Lebensstil zu verändern, ein wenig zu verzichten? Denken wir an zukünftige Generationen oder sagen wir „nach mir die Sintflut“.

Ich fände es sehr erstrebenswert, dass die Politik die Zusammenhänge des Alltags so gestaltet, dass ich mir nicht mehr den Kopf zerbrechen muss, ob ich nun nach Rom fliegen darf, ein Coffe-to-go noch in Ordnung ist oder E-Roller wirklich klimaneutral sind. Doch das kann noch dauern. Und bis dahin gilt es einfach, den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Es geht im ersten Schritt nicht darum, dass keiner mehr fliegen darf oder niemand mehr mit dem Auto durch die Alpen fährt. Aber es liegt doch auf der Hand, dass es dieser Erde guttun könnte, so wenig Plastik wie möglich zu gebrauchen. Es kann auch nicht gut sein, jeden Tag Fleisch zu essen. Weder für den Körper, noch für die Landwirtschaft, den Wasserverbrauch und den C02-Haushalt. Fühlt es sich logisch an, dass wir seit ein paar Jahren zweieinhalb Tonnen schwere Autos bauen und sie durch die Innenstädte jagen, wo kaum noch Platz ist? Von dem erhöhten Sprit- und Materialverbrauch ganz zu schweigen? Muss ich wirklich von Frankfurt nach Hamburg fliegen? Kann nicht einfach jeder mal anfangen, sich zu hinterfragen, wie sein Anteil aussehen könnte, um diese Welt ein wenig lebenswerter zu gestalten. Nicht, weil man dazu gezwungen wird, sondern weil man Rücksicht nimmt. Auf die Erde, Auf die vielen Opfer der Klimakatastrophe, die sich weiterhin zum größten Teil dort befinden, wo der Klimawandel nicht gemacht wird. Auf die kommenden Generationen. Lasst uns aufhören, in endlosen Diskussionen gegenseitig Schuldzuweisungen zu formulieren. Lasst uns aktiv und verantwortungsbewusst, das eigene Handeln und Denken hinterfragen. Unsere Kinder und Kindeskinder würden es uns danken, sagt ein nachdenklicher Mounir.