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Tuesday Post 14 April 2020

von | Apr 14, 2020

Manchmal gleiten wir durchs Leben und die Tage erinnern an eine Schiffsfahrt auf hoher See, wenn blauer, wolkenloser Himmel, eine feine, leichte Brise und die wärmende Sonne die Reisenden ahnungslos glücklich werden lässt. Kein schwerer Gedanke trübt die Vorstellungen, nichts wird hinterfragt – beinahe stumpf und mit einer sanften Trägheit genießen wir diese Phasen voller Leichtigkeit. Die Lust, die Laune schaut nicht zurück, will nicht wissen, will nicht erfahren, sie ist und genießt. Wir tanken selig auf in diesen Momenten, denn unter der gleißenden Sonne fällt Bewegung schwer – innerlich wie äußerlich.

Wie anders ist das Gemüt bei Sturm, bei Gewitter, Regen und Donner. Es ist aufgerührt, lässt uns Angst, Unsicherheit und manchmal auch Schmerz erleben. Und so wie sich der Kapitän bei wilder See Gedanken darüber machen muss, wie er sein Schiff durch den Sturm bringt, welche Maßnahmen er trifft und wie er auf überraschende Turbulenzen reagiert, so bringen Krisen uns Menschen erst dazu, Dinge zu ändern, uns auf neue Wege zu begeben, eingefahrene Muster aufzugeben. Wir mobilisieren schlummernde Kräfte, lösen Dinge auf, hinterfragen.

Es ist inmitten des Zweifelns, des Schmerzes, des Leids kein Trost, doch Krisen führen oftmals dazu, dass wir mit Spaten und Hacken das Erdreich unserer Seele durchwühlen, um Platz für die Saat einer neuen Erkenntnis zu schaffen.

Ich selbst habe am Ende meiner großen Krisen immer mit einer wichtigen neuen positiven Erfahrung dagestanden. Natürlich hätte ich auf die Schmerzen verzichten wollen, doch im Nachgang wusste ich, dass ich ohne sie niemals den nächsten wichtigen Schritt hätte finden und wagen können.

In jeder Krise liegt also eine große Chance. Und so sollten wir auch die aktuelle Phase nehmen. All das, was uns gerade ängstigt, schmerzt, verunsichert kann im nächsten Schritt als bereichernd und befreiend empfunden werden. Ein Katalysator, mit dem im Leben viele fruchtbare Veränderungen möglich sind.

Sehnsucht, Neugier sind andere Katalysatoren, die wie das Leid, ein hohes Maß an Wissen, Fortkommen und Erkenntnis bergen.

Und wenn wir spüren, dass uns eine Veränderung große Pein abverlangt und Schmerz verursacht, können wir im Hinterkopf daran denken, dass alle großen Entdecker dieser Welt schlimmste Stürme überstehen mussten, um friedliche, neue Gewässer zu finden.

Und selbst, wenn wir nur in die alten, uns vertrauten Gewässer finden: Um wie viel mehr schätzen wir diese, nachdem wir uns durch Untiefen gekämpft haben. Die erlebte Krise lässt uns das Gewohnte, Vertraute umso viel reicher, wertvoller erscheinen.

Es braucht manchmal schmerzliche Anstöße von außen, um sich auf den Weg zu neuen inneren Ufern zu machen. Verlieren wir also nicht den Mut, wenn wir ins Zweifeln kommen. Es mögen aktuell schwere Tage sein, doch es sind auch Tage der Erkenntnis. Dafür bezahlen wir einen hohen Preis, aber es kann sich auch lohnen, sagt ein nachdenklicher Mounir.