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Tuesday Post 11 Februar 2020

von | Feb 11, 2020

Mein Satz, der jetzt kommt, der wird sich für viele echt „strange“ anhören. Aber ich glaube tatsächlich, wenn ich es mir aussuchen könnte, ich würde glatt wieder in diesem wunderschönen Land aufwachsen und leben wollen. Welches Land ich meine? Na Deutschland! Ne, oder? Doch.

Es heißt ja, wir Deutschen seien die Weltmeister im Jammern. Immer griesgrämig, immer miesepetrig. Stets nur das im Blick, was nicht läuft, was nicht klappt. Das kann durchaus sein, ist mir aber egal. Denn ich habe keine Lust mehr, mir von diesen Menschen all das, was so toll bei uns läuft, madig machen zu lassen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten Fantastisches erreicht.

Wir Deutsche haben gezeigt, dass Veränderung sicht- und machbar ist. 1945 waren wir die Aussätzigen der Welt. „Deutscher“! Das war für viele Menschen auf der Welt gleichbedeutend mit „Verbrecher“, „Menschenfeind“, „Unmensch“. Und heute? Nach drei Generationen ist Deutschland zu einem der attraktivsten Länder der Welt geworden, wir Deutsche gelten als die beliebtesten Gäste, egal wo man hinkommt. In Deutschland laufen ziemlich viele Dinge richtig gut. Die BBC kürte unser Land viele Jahre zum beliebtesten weltweit, in anderen Studien von namhaften Instituten rangiert Deutschland meist unter den Top-3 oder Top-5. Was für eine Leistung! Und es ist so schade, dass wir täglich über Nazis, braune Wortverdreher im Kostüm von Politikern oder die Flüchtlingskrise reden müssen.

Die „Man-darf-das-ja-nochmal-sagen-dürfen“-Fraktion übernimmt in vielen Bereichen den gesellschaftlichen Diskurs. Das muss aufhören. Bei vielen Menschen in Deutschland herrscht mittlerweile eine Haltung, dass „ja alles den Bach heruntergeht“. Das kotzt mich an. Denn dieses Land ist großartig. Und feiert sich viel zu wenig.

Wir sind wie ein Kind, das gerade sechs Einsen im Sommerzeugnis nach Hause bringt und der Vater sagt, wenn du in Physik nicht besser wirst, dann wird das nichts mit dir. Glaubt Ihr, so eine Haltung fördert die positive Energie des Kindes? Es ist ein Unterschied, wenn man stolz auf Erreichtes ist, sich dafür belohnt und feiert, statt sich immer mit den Dingen zu beschäftigen, die angeblich schlecht sind.

Sagt mir ein Land dieser Welt, dass in einer Situation wie 2015, als Hunderttausende von Hilfesuchenden über die Grenzen kamen, dieses Engagement an den Tag legte. Seit 2015 haben insgesamt 55 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren Flüchtlinge in Deutschland unterstützt. Im Februar 2018 kam eine Studie des bekannten Allensbach-Institut zu dem Ergebnis, dass sich damals aktuell 19 Prozent unserer Bevölkerung für die Flüchtlinge engagiert, das sind 16 Millionen! What? Ja, 16 Millionen!

So ein humanes, bürgerliches Engagement hat es in der Geschichte der BRD noch nie gegeben geschweige denn irgendwo anders. Der Autor Jan Plamper nennt das die „breiteste soziale Bewegung Deutschlands seit 1945“. Und recht hat er. Sollten wir darauf nicht stolz sein? Und wie! In einer Notsituation haben viele, viele Menschen in diesem Land einfach nur human und menschlich agiert. Sind wir uns dieser Kraft eigentlich bewusst? Wissen wir, dass es in diesem Land trotz einer Minderheit an rückwärtsgewandten, rechten und notorisch pessimistischen Menschen eine Bewegung gibt, für die uns die Welt beneidet?

Lasst uns auf dieser Kraft aufbauen und selbstbewusst nach vorne schauen. Wir sind stark und können eine Dynamik entwickeln, die Berge versetzt. Lasst uns darauf setzen statt uns immer wieder neu auf die Diskussionen um den gefährdeten Wohlstand, zu viele Ausländer und unhaltbare Verhältnisse einzulassen. Es ist eine Frage des Bewusstseins.

Ich glaube fest daran, dass dieses Land den Faschisten und Rechten keine Chance lassen wird, wenn sich alle einbringen. Wir haben in Deutschland Besitz, Wohlstand und Reichtümer, doch vor allem haben immer noch viele Menschen Haltung. Lassen wir uns diese nicht klauen, sagt ein nachdenklicher Mounir.