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Tuesday Post 07 Januar 2020

von | Jan 7, 2020

Zum Jahreswechsel gab es eine Kolumne in einer großen deutschen Tageszeitung mit vier Buchstaben, bei der der Autor mal so richtig Dampf abließ. Es ging um uns Deutsche und die Diskussion um Böllerverbot, Fleischverzicht, Flugscham und Tempolimit. Wer in einem Kloster leben wolle, der könne das für sich entscheiden, aber man dürfe anderen nicht vorschreiben, ein spaßbefreites Leben zu führen, führte der gute Mann aus und betitelte seine Ausführungen mit: „Haben denn alle einen Knall?“ Nee, haben sie nicht. Denn es gibt Menschen, die machen sich tatsächlich Gedanken über die Folgen ihres Tuns und wollen verantwortungsbewusst leben. Hört sich vielleicht komisch an, ist aber so.

Viele stimmten den Ausführungen zu. Das Aufatmen war hörbar. Endlich spricht einer das mal aus. Kann ja nicht sein, was man neuerdings alles so beachten soll. Bald dürfe man ja noch nicht einmal einen Weihnachtsbaum aufstellen ohne dass man von den „Spaßbefreiten“ aufs Dach bekommt, hört man sie sagen. Die Welt ist ja so kompliziert geworden. Da ist es eine schöne Vorstellung, einfach mal wieder das zu tun, worauf man Bock hat. Ohne Rücksicht auf Verluste, auf Greta und auf all jene, die einem gerne mit dem erhobenen Zeigefinger kommen.

30 Millionen gefällte Weihnachtsbäume für einen Abend? Ja und. 8000 Verletzte an Silvester durch Folgen der Böllerei? Selbst schuld. Mit 250 Stundenkilometern über die Autobahn brettern? Geil. Klimaveränderungen? Das Wetter war schon immer wechselhaft.

Vielleicht ja auch in der Bar nebenan im Gedränge einfach mal wieder eine Zigarre paffen, egal, was der Nebenmann denkt oder den gesamten Müll in eine Tüte werfen, weil die Mülltrennung einem eh auf den Geist geht. Macht ja alles so viel Spaß. Hau es raus, das Leben ist doch viel zu kurz. Was interessiert es, was Sinn und Verstand macht? Früher ging das doch auch. Ja, aber früher stand die Welt auch noch nicht da, wo sie jetzt ist. Und vor allem: Wir können doch nicht ernsthaft Dinge weiterhin tun, ohne nachzudenken, wenn wir wissen, dass diese Dinge für andere Menschen und unseren Planeten höchst schädlich sind.

Ich denke also: Zum Glück machen wir uns unsere Gedanken über all die Themen. Und zum Glück entwickeln wir Menschen uns weiter. Eben, weil wir immer Dinge hinterfragt haben, weil wir uns in der Vergangenheit von Bräuchen und Ansichten gelöst haben. Andere Länder machen sich vielleicht weniger Gedanken als wir. Doch wir stehen als eines der reichsten Länder dieses Planeten auch an einer anderen Stelle. Wenn man noch um existenzielle und soziale Bedürfnisse kämpft, kann man sich um das große Ganze weniger Sorgen machen. Dann denkt man nur an sich, will überleben. Doch Fortschritt entsteht da, wo wir Notwendigkeiten erkennen, für unser Zusammenleben praktischere, bessere, gesündere Lösungen zu finden. Das Rauchverbot, der Abschied von der Atomenergie, das friedliche Koexistieren in der Europäischen Gemeinschaft; Beispiele, die zeigen, dass Errungenschaften auch mit unseren Werten zu tun haben.

Und deshalb ist es gut so, dass sich Menschen in Deutschland um die Entwicklung der Erde, um unsere Zukunft aktuell Gedanken machen. Ja, es ist anstrengend, Dinge zu hinterfragen, Gewohnheiten zu ändern, Abschied von Vertrautem zu nehmen. Wenn aber darin eine minimale Möglichkeit liegt, die Welt zu einer besseren zu machen, dann sollten wir diesen Weg gehen, Ja, manche nennen ihn „spaßbefreit“, aber die Situation ist irgendwann zu ernst, als dass wir nicht alles mal in Frage stellen sollten, bevor dieser Planet krepiert, sagt ein nachdenklicher Mounir.