+49 (0) 69 348 71948 oder +49 (0) 152 5198 5995 mail@mounir-zitouni.de

Tuesday Post 07 April 2020

von | Apr 7, 2020

Stellt Euch eine Welt vor, in der ein pandemischer Virus 70 000 Menschen tötet und dabei ist, Millionen von Menschen zu infizieren. Ein Virus, der von Mensch zu Mensch übertragen wird und so schnell tötet, dass die Gesundheitssysteme der stärksten und fortschrittlichsten Nationen kurz vor dem Kollaps stehen. Von heute auf morgen ist der Alltag auf einmal von Infektionsängsten, Hygienemaßnahmen und Kontaktverboten geprägt und aus Angst vor einer Verbreitung des Virus wird das öffentliche Leben beinahe gänzlich heruntergefahren.

Stellt Euch diese Welt vor und ein Land, dessen gewählte Regierung den Menschen mit ihren Worten und Entscheidungen weitgehend Zutrauen und Sicherheit schenkt.

Ein Land, in dem führende Politiker ihren Job mit größter Sorgfalt, Demut und Fürsorge machen.

Ein Land, das seinen Bürgern nach nur wenigen Tagen 750 Milliarden Euro zur Verfügung stellt, um den wirtschaftlichen Schaden der Pandemie zu reduzieren.

Ein Land, in dem Politiker einer rechtsnationalen Partei an Einfluss und Beliebtheit verlieren, weil die Menschen merken, dass diese Hetzer keine Antworten für das Leben, die Zukunft, die Fragen und Krisen haben.

Ein Land dessen Regierung umgehend Charterflüge bucht, um zehntausende von Staatsbürgern schnell und unbürokratisch aus der Welt zurück nach Hause zu bringen.

Ein Land, in dem 80 Millionen Bürger die verfügten Maßnahmen ohne Proteste und mit viel Geduld einhalten.

Ein Land, in dem sich die Menschen auf einmal für die Alten und Kranken in der Nachbarschaft interessieren, ihnen helfen und sich für sie engagieren.

Ein Land, in dem die Bevölkerung auf die Balkone tritt, um mit einem dröhnenden Applaus die tolle Arbeit von Kassierern, Pflegekräften und Krankenschwestern zu wertschätzen.

Ein Land, wo sich Reichere auf einmal Gedanken darüber machen, wie sie einen Beitrag für die Meisterung der Krise leisten können.

Ein Land, dessen freiheitliche Demokratie es in einem solchen Ausnahmezustand erlaubt, dass viele Menschen öffentlich und frei Zweifel an der dargestellten Wahrheit äußern dürfen, sich an Verschwörungsdiskussionen beteiligen können und zum Teil sehr harsche Kritik an Regierungen, Behörden und Politiker üben dürfen, ohne dass sie dafür irgendwelche Sanktionen fürchten müssen.

Ein Land, in dem Unternehmen, Angestellte, Schüler und Studenten plötzlich im Schnellkurs Home-office-tauglich gemacht werden.

Ein Land, in dem sich viele Menschen auf einmal Gedanken über den Turbokapitalismus und Verschwendungssucht machen und sich fragen, ob das nicht anders geht.

Ein Land, wo die meisten Menschen trotz fundamentaler Ängste, Sorgen und Probleme dennoch mit Respekt, Einsicht und Demut miteinander in der Öffentlichkeit umgehen.

Ein Land, in dem viele Menschen wieder mehr zu sich finden weil sie das verlangsamte Tempo des Lebens genießen, die viele Zeit mit ihren Kindern schätzen, endlich Zeit fürs Kochen und den Sport haben und so viel in der Natur sind wie selten zuvor.

Ein Land, das in der Lage ist, Krankenhäuser für jedes zusätzliche Intensivbett einen Bonus von 50 000 Euro zu zahlen, um die Kapazitäten zu erhöhen.

Ein Land, wo auch der Fußball endlich merkt, dass man es in den Jahren davor mit der Maßlosigkeit vielleicht übertrieben hat.

Ein Land, in dem die Arbeitsagentur innerhalb kürzester Zeit die Bedingungen für den Erhalt von ALG II vereinfacht, um den Menschen unbürokratisch aus der größten Not zu helfen.

Ein Land dessen Kinder überall bunte Plakate aufhängen, auf denen „Alles wird gut“ steht.

Ein Land, in dem Menschen wie Dietmar Hopp von einem auf den anderen Tag die Wertschätzung erhalten, die sie aufgrund ihres gesellschaftlichen Engagements schon lange verdient hätten.

Stellt Euch eine Welt vor, in der ein Land aus Gründen der Solidarität kranke Menschen aus den Nachbarstaaten aufnimmt.

Stellt Euch eine Welt vor, in der die Menschen großen Anteil daran nehmen, wie es ihren Angehörigen und Freunden geht und sich verbundener denn je fühlen.

Stellt Euch eine Welt vor, in der Menschen wieder intensiv darüber reden und nachdenken, wie wir alle miteinander umgehen sollten.

Stellt Euch eine Welt vor, in der Menschen spüren, dass sie doch nicht allein sind.

Ist diese Vorstellung nicht wunderschön?
Wenn ja, dann lass uns doch freuen, denn all das passiert gerade in diesem Land.

Es gibt tatsächlich auch einiges, was in dieser Welt nicht so funktioniert.
Wäre ja ein Deal, erst einmal über all das zu reden, was ganz gut läuft, sagt ein nachdenklicher Mounir.