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Tuesday Post 01 Oktober 2019

von | Okt 1, 2019

Nun schreibe und rede ich seit einiger Zeit gerne darüber, wie wichtig es ist, mit Liebe, Respekt und Achtsamkeit durch die Welt zu gehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es für das Zusammenleben, für unser Sein, Denken und Fühlen unerlässlich ist. Ich möchte vorangehen, Menschen inspirieren, ein Vorbild abgeben und zeigen, dass dieser Weg der richtige ist, um die Welt ein Stück besser, wärmer, lebenswerter zu machen. Zu 100 Prozent. Und doch gibt es auch bei mir Situationen, Ereignisse, wo ich all meine Grundsätze, Ansichten, Werte für einen Moment vergesse.

Natürlich. Falls ich also in meinen verbleibenden Lebensjahren irgendwann im Telefonat mit einer Hotline die Nerven verlieren sollte, patzig und gemein reagiere, will ich mich heute schon dafür entschuldigen. Menschen könnten dann kritisieren: „Siehste! Der redet die ganze Zeit über Respekt, aber guck, der ist auch nicht viel besser. Der tut auch nur so als ob….“ Ich bin eben auch nur ein Mensch. Aber sind wir das nicht alle?

Wenn ich dieses Beispiel auf das große Leben da draußen übertrage, dann habe ich schon das Gefühl, dass viele Menschen nur darauf warten, anderen nachzuweisen, dass sie nicht so gut, nicht so vorbildlich, nicht so konsequent sind, wie sie es vorgeben zu sein. Mag sein, dass sie 99 Prozent in ihrem Leben „richtig“ machen, aber wehe das eine Prozent kommt ans Tageslicht. Dann marschieren Heerscharen von digitalen Rundumschlägern los, tausende von „Ich-habe-es-schon-immer-gewusst-und-gesagt“-Erzählern; endlich können sie den oder die zerpflücken, belegen, dass nicht alles glänzt, was zuvor so golden anzuschauen war. So als ob das eine Prozent die anderen 99 auslöschen würde. So als sei der eine Widerspruch Leitmotiv nicht Ausrutscher.

Es wird gerade bei öffentlichen Menschen bei einem Vergehen mit einem Hass und einer Wut argumentiert, dass man sich erschreckt. Andere, die weitaus schlechter die Dinge tun, werden bei weitem nicht so angegriffen. Gut! Schlecht! Richtig! Falsch! Wir würden gerne in diesen Rubriken urteilen. Aber nur in den seltensten Fällen ist das möglich.

Wir Menschen sind nicht perfekt. Und wir sind nie nur das eine oder andere. Uns macht eine Menge aus und ganz oft tatsächlich viele Widersprüche. Lasst uns doch also diese Widersprüche aushalten, sie registrieren und akzeptieren. Nachsicht ist ein wunderschönes Wort. Es wäre toll, wieder mehr davon zu erleben, sagt ein nachdenklicher Mounir.