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LET LOVE RULE

von | Dez 29, 2020

Wenn man Menschen fragt, was das Wichtigste im Leben ist, dann antwortet der größte Teil: die Liebe.
 
Wir lesen Bücher darüber, wir schauen Filme und jeder erzählt beim Abendessen, auf Partys, beim Cafe, wie das mit der Liebe denn so funktioniert. Die Welt ist scheinbar voll von „Liebesexperten“ und trotzdem gibt es unzählige Menschen, die bis an ihr Lebensende nie wirklich gespürt oder gefühlt haben, was die Liebe ausmacht.
 
Wie liebt man eigentlich? Was macht die Liebe aus? Und wie gestalte ich meine Beziehungen so, dass ich Liebe geben kann? Dass ich Liebe empfangen kann? Ich bin sicher, wenn „Liebe“ ein Schulfach wäre, es gäbe viele Menschen, die ihr Leben lang nachsitzen müssten.
 
Für viele ist die Liebe ja eine Art Tauschgeschäft: Gibst du mir, dann gebe ich dir. Mit Liebe hat das eigentlich nicht so viel zu tun. Aber etliche Menschen tragen einen ganzen Paragraphendschungel in sich, der genau klärt, wann die eigene Liebe aktiviert wird. Bedingungen noch und nöcher. Bei den Kindern, bei den Freunden, bei der Ehefrau, beim Ehemann.
 
Liebe ist ein großer Motor in unserem Leben. Sie wird nur noch von einem anderen Motor übertroffen und das ist die fehlende Liebe. Doch statt zu benennen, dass man Aufmerksamkeit und Wertschätzung vermisst, statt von der eigenen Enttäuschung zu sprechen wird oftmals das unschöne Gefühl in Wut, Ärger oder Hass umgewandelt. Der Start eines fatalen Kreislaufs.
Nicht anders ist es mit Menschen, die sehr früh Zweifel an der eigenen Daseinsberechtigung erfahren haben oder aufgrund kindlicher Erfahrungen daran zweifeln, ob sie der zwischenmenschlichen Beachtung und Liebe wert sind.
 
Sie haben gelernt, dass es nicht reicht. Dass sie nicht reichen.
 
Tief im Inneren verletzt und verwundbar gehen sie durchs Leben, und versuchen verständlicherweise diese Narbe nicht zu spüren, versuchen durch eine Kompensation diesen scheinbaren Mangel wettzumachen: Sie denken und fühlen insgeheim: Ich darf nur da sein, wenn ich etwas habe, ich bin nur liebenswert, wenn ich etwas mache, weiß oder kann.
Die daraus entstandenen Weltbilder tragen sie hinaus und geben sie an die Nächsten weiter: „Es geht nichts von allein, alles braucht eine Anstrengung.“ Oder: „Nur wer ein großes Auto, ein dickes Bankkonto hat, ist jemand.“ Oder „Wer weniger weiß ist minderwertig.“
 
Was tun wir nicht alles, um Dinge nicht zu spüren? Dabei wollen wir doch nur hören: Du bist okay so wie du bist. Klingt das nicht schön? Fällt da nicht eine immense Last ab?
Doch das ist nicht nur ein Geschenk im Außen, ich bin überzeugt, dass das Spüren der Liebe eine Menge mit uns selbst zu tun hat. Es geht dabei um den Blick nach innen.
Wir müssen uns nämlich darüber bewusst werden, was wir fühlen. Erst wenn wir in der Lage sind, uns über das mitzuteilen, was sich im Inneren abspielt, dann haben wir auch die Möglichkeit etwas im Außen zu bekommen.
 
Liebe wächst da, wo sie gezeigt wird.
 
Wenn wir uns also wieder mal darüber ärgern, dass der Freund oder die Freundin sich nicht meldet, dass der Ehemann seit Monaten keine echte Zweisamkeit ermöglicht, dass die Tochter seit dem Auszug nicht mehr aufgetaucht ist, dann gilt es doch, genau das mitzuteilen.
 
Sich mit seinem Gefühl zu zeigen. Zu vermitteln, dass der andere einem wichtig ist und man etwas vermisst. Zu erklären, was einem fehlt. Ja, dadurch macht man sich angreifbar, ja, es braucht eine gewisse Größe, doch sagen was ist, den echten Kontakt zu ermöglichen, sich über das eigene Gefühl zu äußern, ist die einzige Chance, vom anderen das zu erhalten, worum es eigentlich geht: Liebe, Wertschätzung und Aufmerksamkeit.
 
Die Liebe in der Welt wächst nicht durch Forderungen, Vorwürfe oder Eingeschnapptheit, sondern durch die Offenbarung des eigenen Gefühls. Lasst uns also Mut haben, die eigene Verwundbarkeit zu erkennen und zu äußern. Ich bin sicher, dass das der klügste Weg ist, mehr von der Liebe zu bekommen, nach der wir uns eigentlich alle so sehr sehnen.
Let love rule, frohe Weihnachten, sagt ein nachdenklicher Mounir.