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BAERBOCK ODER WAS ICH MIR WÜNSCHE

von | Apr 27, 2021

In diesem Jahr sind Bundestagswahlen.

Welche Partei am Ende vorne sein wird ist völlig offen. Auch ich weiß noch nicht, wem ich meine Stimme geben werde. Tut auch nichts zur Sache.

Was ich aber weiß ist, dass ich den Umgang mit Annalena Baerbock, Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, höchst befremdlich finde.

Manchmal frage ich mich:
Leben wir wirklich im 21. Jahrhundert?
Sind die platten Stereotypen über Rollenbilder von Mann und Frau doch tiefer in unserer Gesellschaft verankert?
Haben Politiker und Journalisten nichts anderes zu tun als das Mutter-Sein, das Frau-Sein und das Newcomer-Sein einer jungen Politikerin infrage zu stellen?

Dabei sagen solche Fragen eine ziemliche Menge über die Haltung und die Annahmen dieser Menschen aus.

Ich dachte, wir seien schon weiter.

Ja, Frauen sind in der Lage, ein Land zu regieren UND parallel Kinder zu erziehen. Klingt für manche komisch, ist aber so.

Vielleicht ist es also an der Zeit, sich ein paar Dinge zu wünschen.

Ich würde mir WÜNSCHEN, dass wir an Jacinda Adern (Ministerpräsidentin Neuseeland), Katrin Jakobsdottir (Ministerpräsidentin Island), Mette Frederiksen (Ministerpräsidentin Dänemark), Sanna Marin (Ministerpräsidentin Finnland), Katerina Sakellaropoulou (Präsidentin Griechenland), Kamala Harris (Vizepräsidentin USA) oder Kaja Kallas (Ministerpräsidentin Estland) denken, die ihr Land aktuell regieren und imstande sind, das sehr gut als Mutter zu tun.

Ich würde mir WÜNSCHEN, dass wir uns an Benazir Bhutto erinnern, die als amtierende Ministerpräsidentin von Pakistan sogar ein Kind gebar.

Ich würde mir WÜNSCHEN, dass wir Frauen keine Fragen stellen, die wir nie bei Männern stellen würden.

Ich würde mir WÜNSCHEN, dass wir davon Kenntnis nehmen, was Annalena Baerbock in ihrem Leben getan hat, bevor wir behaupten, sie habe ja noch nie Verantwortung getragen. Zur Erinnerung:
2000-2005: Studium und Abschluss mit „Master in Public International Law“
2000-2003: Freie Mitarbeiterin Hannoversche Allgemeine Zeitung
2005: Trainee im „British Institute of Public International Law“
2005-2008: Büroleiterin der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter
2008-2009: Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik der
Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.
2008-2013: Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Europa.
2009-2013: Brandenburger Landesvorstand der Partei
2009-2012: Vorstandsmitglied der Europäischen Grünen Partei, des Zusammenschlusses grüner Parteien in Europa.
2012-2015: Mitglied des Parteirats von Bündnis 90/Die Grünen
2013-2021: Bundestagsabgeordnete
2013-2017: Klimapolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen.
2013-2017: Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Energie
2013-2017: Mitglied des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union
2013-2017: Stellvertretendes Mitglied im Umweltausschuss
2013-2017: Stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend.
2013–2017: Mitglied der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe
2013-2017: Stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises Berlin–Taipeh
2013-2017: Stellvertretendes Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.
2017-2021: Mitglied in den Ausschüssen für die Angelegenheiten der Europäischen Union
2017-2021: Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie
2016: Vorsitzende des Vereins „Hand in Hand Potsdam e.V.“
2018: Mitglied in der überparteilichen Europa-Union Deutschland
2018: Parteivorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
2020: Mitglied der „Community Young Global Leaders“ des Weltwirtschaftsforums.

Ich würde mir WÜNSCHEN, dass die Journalisten, dass all die Politiker wie Merz, Scholz und SPD-Landeschef Maier, die die fehlende Regierungserfahrung bei Baerbock kritisieren, an Wilfried Kretschmann (Ministerpräsident Baden-Württemberg), Joschka Fischer (Umweltminister Hessen), Guido Westerwelle, der 2002 als offizieller Kanzlerkandidat der FDP antrat oder den ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Scholz und Erich Ollenhauer erinnern, die zum Zeitpunkt Ihrer Bewerbung allesamt über keine Regierungserfahrung verfügten. Gestört hat das da niemanden.

Ich würde mir WÜNSCHEN, dass die Menschen in Deutschland anfangen einen Menschen nach dem zu beurteilen, was er kann, wie er denkt, wie er wirkt, was er will, wie er redet und wofür er steht.

Ich würde mir WÜNSCHEN, dass eine Frau sich nicht dafür rechtfertigen muss, eine Frau zu sein.

Ich würde mir WÜNSCHEN, dass wir anfangen damit aufzuhören, Unterschiede zwischen Mann und Frau zu machen, indem wir sie unterschiedlich behandeln.

Lasst uns also in den nächsten 5 Monaten nach Überzeugungen, Konzepten, Strategien und Plänen fragen und nicht nach Geschlecht, Mutterliebe, Weiblichkeit oder Aussehen, sagt ein nachdenklicher Mounir.