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Die AfD an der Macht: eine Fiktion im Jahre 2050

von | Nov 5, 2019

Wir sind im Jahre 2050. Mittlerweile lenkt die AfD in einer rechtsnationalen und faschistischen Regierung Deutschland. Ein Gespräch zwischen Tochter (30) und Vater (60).

Tochter: Papa, ich versteh das nicht. Wieso habt Ihr damals überhaupt die AFD als demokratische Partei akzeptiert. Damit habt Ihr doch erst ihren Aufstieg möglich gemacht.

Vater: Na, ja, die AFD hat sich zunächst mal als normale demokratische Partei gegeben.

Tochter: Aber sie haben sich doch von Beginn an rassistisch, antisemitisch und rechtsradikal geäußert. Diese „Deutschland-nur-den-Deutschen“-Rhetorik war bei der AFD schon immer da. Das müsst Ihr doch gemerkt haben.

Vater: Nee, nee, so klar war das nie, dass sie die Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Land jagen, wenn sie mal an der Macht sind.

Tochter: Hör auf, Papa. Der Jörg Urban, der damalige Landesvorsitzende der sächsischen AFD, sagte schon 2017: „Ein Volk kann nur die eigene Einigkeit und Freiheit bewahren, wenn es weitgehend homogen bleibt.“ Oder der Thomas Röckemann, Landesvorsitzender der AFD in Nordrhein-Westfalen, vertrat die Auffassung: „Wir müssen für Klarheit sorgen und diejenigen, die hier von Anfang an nichts zu suchen hatten, wieder nach jenseits der Grenzen schaffen…“

Vater: Wer hätte denn gedacht, dass sie das ernst meinen.

Tochter: Hallo? Thomas Göbel von der AFD sagte damals im Hinblick auf Ausländer, Deutschland leide „unter einem Befall von Schmarotzern und Parasiten, die dem deutschen Volk „das Fleisch von den Knochen fressen“. Das klang doch eindeutig.

Vater: Irgendwie hat man gedacht, na ja, das sind die Meinungen einer Minderheit.

Tochter: Papa! 2019 gewann der Höcke ein Viertel aller Wählerstimmen in Thüringen, die AFD hatte da in allen Wahlen im Osten regelmäßig über 20 Prozent. Und Höcke durfte man da schon ganz offiziell als „Faschist“ titulieren.

Vater: Ja, das stimmt schon. Aber die Leute im Osten waren eben sehr unzufrieden.

Tochter: Ging es den Menschen so viel schlechter als im Westen?

Vater: Na ja, je nachdem wie man es sieht. Ende 2019 lag die Arbeitslosenquote im Osten bei 6,5 Prozent, das war eigentlich ein historischer Tiefstand. Auch die wirtschaftlichen Rahmendaten waren international gesehen okay, aber im Vergleich zum Westen hinkte man eben immer hinterher. Man hatte zum Beispiel 2019 im „Osten“ nur 85 Prozent des Lohnniveaus vom Westen. Und das sorgte für Frustration. Die fühlten sich ständig „abgehängt“.

Tochter: Und deshalb ging es so radikal gegen die Ausländer?

Vater: Die AFD schürte Ängste, um die Wahlen zu gewinnen. Also wurde gesagt, die Ausländer seien eine Bedrohung.

Tochter: Gab es da so viele?

Vater: Eigentlich nicht. Im Osten gab es 3,8 Prozent Ausländer, während es im Westen knapp elf waren.

Tochter: Das heißt, im Osten schimpfte man auf die Ausländer, hatte aber kaum welche.

Vater: So ungefähr.

Tochter: Aber in den Jahren zwischen 2015 und 2020, als die Flüchtlinge nach Deutschland kamen, muss das gewaltbereite Klima ja beängstigend gewesen sein.

Vater: Das habe ich nicht so in Erinnerung.

Tochter: Das verstehe ich jetzt nicht. Ich habe mal nachgeschaut, was die Statistiken aus dem damaligen ersten Halbjahr 2019 angeht: 609 Angriffe auf Flüchtlinge, dazu 60 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, 42 Attacken auf ehrenamtliche Organisationen, insgesamt 102 Verletzte – und das in nur sechs Monaten.

Vater: Ja, wenn du das jetzt so aufzählst…

Tochter: Politiker wurden von der rechten Szene ermordet. Es gab Terroranschläge auf Synagogen, Menschen wurden auf offener Straße umgebracht, es gab zahlreiche Anschläge auf Bürgermeister. Das waren doch alles Vorboten.

Vater: Klar, wenn man jetzt zurückschaut, dann fragt man sich schon, warum man die AFD und ihre Politiker nicht stärker bekämpft hat.

Tochter: Jetzt ist es zu spät.

Vater: Ja, wären wir mal früher aufgewacht. Du hast schon Recht.

Tochter: Wenn ich jetzt lese, was Björn Höcke 2018 in seinem ersten Buch schrieb, wird mir ganz schlecht.

Vater: Was hat er denn da gesagt?

Tochter: Das habt ihr nicht mitbekommen?

Vater: Nee.

Tochter: Na ja, als zentrales Ziel seiner Partei forderte Höcke da schon eine Säuberung Deutschlands von „kulturfremden Menschen“. Man werde – so hieß es bei Höcke wörtlich –, „nicht um eine Politik der wohltemperierten Grausamkeit herumkommen“. Und weiter: „Ein paar Korrekturen und Reförmchen werden nicht ausreichen, aber die deutsche Unbedingtheit wird der Garant dafür sein, dass wir die Sache gründlich und grundsätzlich anpacken werden. Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, dann machen wir Deutsche keine halben Sachen, dann werden die Schutthalden der Moderne beseitigt“.

Vater: Das hat er schon 2018 geschrieben?

Tochter: Ja und er sagte weiter, dass wir „leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind mitzumachen.“ Er denke an einen „Aderlass“. Diejenigen Deutschen, die seinen politischen Zielen nicht zustimmten, würden aus seinem Deutschland ausgeschlossen werden. Er trete für die Reinigung Deutschlands ein. Mit „starkem Besen“ sollten eine „feste Hand“ und ein „Zuchtmeister“ den „Saustall ausmisten“.

Vater: Schlimm. Und keiner hat 2018 aufgehorcht… Hätten wir damals nur schon mehr den Menschen deutlich gemacht, welche Gefahr Deutschland droht….

Tochter: Ja, hättet Ihr mal….

Wehret den Anfängen und hört nicht auf, die rassistische, menschenverachtende, antisemitische und homophobe Politik der AFD zu bekämpfen, damit wir uns in 30 Jahren nichts vorwerfen müssen, sagt ein nachdenklicher Mounir.